Junge Menschen in offener beruflicher Bildung

Ein Insektenhotel brachte die Wende
29.09.10

Jan-Sebastian Kraft hatte keinen glücklichen Start ins Berufsleben. Eine abgebrochene Lehre als Feinwerkmechaniker und ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) als Kfz-Mechatroniker hatten dem inzwischen 19-Jährigen auch die letzte Motivation genommen. Die „Aktivierungshilfe“, eine Maßnahme der Arge Ostholstein für junge Erwachsene unter 25 Jahren, läutete die Wende ein.

„Ich will alles geben, um im nächsten Jahr wieder ins BGJ zu kommen“, sagte der junge Mann und hievt gemeinsam mit Martin Green, Keon-Ho Lee und Michel Schwabe das Dach auf das Insektenhotel, das unter fachlicher Anleitung von Udo Stephan  auf dem Gelände von JobB (Junge Menschen in offener beruflicher Bildung) in Lensahn entsteht. Seit September führt die JobB GmbH die Aktivierungshilfe am Lensahner Standort durch. Sie soll durch niederschwellige Angebote junge Menschen schrittweise an Ausbildung- Qualifizierung und Beschäftigung heranführen.

Mit den Bereichen Holz, Metall, Farbe stehen den jungen Menschen drei handwerkliche Berufsbereiche als Orientierung zur Verfügung. Ein weiterer Schwerpunkt  liegt im Tätigkeitsfeld Hauswirtschaft. Das Insektenhotel ist auch ein Beispiel für „Bereichs- und Maßnahmeübergreifendes Arbeiten“ der JobB GmbH. Denn am Bau waren neben der Aktivierungshilfe auch Teilnehmer aus den berufsvorbereitenden Angeboten und Auszubildende zum Bau- und Metallmaler beteiligt.

Beim Bau des Insektenhotels hat Jan-Sebastin Kraft für sich auch den Beruf des Zimmermanns als Alternative zum Berufswunsch des Kfz-Mechatronikers entdeckt. Zunächst einmal sucht der junge Mann ein Praktikum in einem Betrieb in der Region, um das Gelernte anzuwenden und umzusetzen, vor allem aber um sicht möglichen Arbeitgebern zu empfehlen. „Er hat eine Chance verdient“, ist sowohl Udo Stephan als auch der für den Standort Lensahn verantwortliche Matthias Koch überzeugt. Für Hans-Rudolf Osbahr, Geschäftsführer der JobB GmbH, und Arge-Chef Hans-Ulrich Lindner ist die Aktivierungshilfe auch vor dem demografischen Hintergrund eines künftigen Fachkräftemangels eine wichtige Maßnahme: „Denn wir brauchen alle.“

(von J. Colschen aus: Lübecker Nachrichten)