Junge Menschen in offener beruflicher Bildung

Historie

Die Geschichte des Jugendaufbauwerk in Ostholstein

Schleswig-Holstein war nach dem Krieg ein „Flüchtlingsland“ mit vielen berufs- und arbeitslosen Jugendlichen. Um diesen jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu geben beschloss der Landtag in Kiel im Dezember 1949 mit dem Jugendaufbauwerksgesetz an vielen Orten im Land Jugendaufbauwerke einzurichten.

Der Start in Ostholstein:

Anfänglich gestaltete sich die Errichtung eines Jugendaufbauwerkes in unserer Region als schwierig.
Die „Oldenburger-Fehmaraner-Kreisrundschau“ berichtete 1949: „Im Arbeitsamt hatten sich ca. 50 Jugendliche versammelt, von denen der größte Teil das erste Mal etwas von einem geplanten Jugendaufbauwerk in Oldenburg hörte. Die allgemeine Stimmung der Jugendlichen war zunächst sehr skeptisch, sogar ablehnend, denn noch ehe der Kreisjugendpfleger ein Wort gesagt hatte, sprach sich herum, dass das JAW ein verkappter Arbeitsdienst sei, in dem man nur die sonst brachliegende Arbeitskraft der Jugendlichen ausbeuten wolle. Dieses Gift…konnte der Kreisjugendpfleger durch seine klaren Ausführungen zum größten Teil wieder unschädlich machen…Im Anschluss hieran gab der Kreisjugendpfleger einen Arbeitsplan in groben Zügen bekannt: Vormittags fünf Stunden zum Ausbau des Jugendheims; nachmittags drei Stunden Unterricht (praktische Themen), Sport und Spiel. Die Verpflegung soll ausgezeichnet sein. …
Am Schluss der Aussprache kam auch der Humor zu seinem Recht, denn ein Jugendlicher fragte, ob nicht auch in Arbeit stehende Jugendliche kündigen könnten, um am Jugendaufbauwerk mitzuhelfen…“ (24.11.1949)

Standort Wessek/Oldenburg i. H.

30 junge Mädchen erhielten im April 1958 einen Platz im Jugendaufbauwerk in Wessek/Oldenburg i. H. Dort war ein landwirtschaftlicher Betrieb mit finanzieller Unterstützung der Landwirtschaftskammer und anderen Spenden so vorbereitet worden, dass die jungen Damen dort wohnen konnten – mit einem Waschraum, der fließend kaltes Wasser anbot. Die Mädchen wurden über Handarbeit, Gartenarbeit, Säuglingspflege, Hausarbeit, Wäschepflege und Landwirtschaft auf ihr Berufsleben vorbereitet. Am Ende des JAW-Jahres legten die Mädchen eine Abschlussprüfung ab, für die sie ein Zeugnis bekamen. Damit war ihre Zeit im Jugendaufbauwerk als Lehrjahr anerkannt.
„Das gemeinsame Jahr“, so ein Artikel der LN  „bestand jedoch nicht nur aus Unannehmlichkeiten und Arbeit, sondern auch aus Spaß und Gemeinschaft. Vorträge wurden gehalten, Besichtigungsreisen unternommen und Feste mit Musik und Tanz gefeiert. Es gab Kino- und Strandbesuche, Sing-, Bastel- und Spielabende…“

Lübbersdorf/Oldenburg als neuer Standort

1969 übernahm der Kreis Ostholstein die Trägerschaft des Jugendaufbauwerk und eröffnete die Einrichtung in Lübbersdorf/Oldenburg. Junge Männer wurden dort auf die Arbeitswelt vorbereitet. Das Ministerium für Soziales und Arbeit hatte die Oberaufsicht. Als Berufsfelder standen die Metall-, die Holzwerkstatt und die Küche zur Verfügung. Begleitend musste der Berufsschulschulunterricht von den jungen Männern, die alle in der Einrichtung wohnten, besucht werden.

1982 – zwei Einrichtungen in OIdenburg und Lensahn

1982 wurde in der Schweriner Allee 3 in Oldenburg das neue JAW gebaut. In Lensahn wurde das Gebäude des Kreiskinderheimes ebenfalls zum JAW umgebaut. Jetzt betrieb der Kreis Ostholstein zwei Jugendaufbauwerke, beide mit angeschlossenem Internat.

Im Jahr 1985 erweiterten sich die Einrichtungen. Das Ministerium verankerte die „Säule“ Sozialpädagogik. Auch wurden erstmalig in diesem Jahr Lehrer für den hausinternen Unterricht zur Begleitung des Berufsschulunterrichts eingestellt. In dieser Zeit wurden berufsvorbereitende Maßnahmen für etwa 150 Jugendliche für das Arbeitsamt Lübeck in beiden Einrichtungen durchgeführt. Die klassischen Berufsfelder waren Metall, Holz, Garten, Hauswirtschaft, Malerei und Küche.

1994 – die Rahmenbedingungen ändern sich

Bis zu diesem Zeitpunkt war das Ministerium für Soziales und Arbeit die oberste Instanz für das JAW Schleswig-Holsein. Die Finanzierung der Einrichtungen lief über das Ministerium, das mit der Arbeitsverwaltung für alle Einrichtungen verhandelte.

Ab 1994 musste jedes JAW, jede Einrichtung, für sich mit dem Arbeitsamt die Maßnahmen und die Konditionen aushandeln. Es folgten in den nächsten Jahren die ersten öffentlichen Ausschreibungen, um Berufsvorbereitungs- oder überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen im Auftrage des Arbeitsamtes Lübeck durchzuführen.
1996 wurden die ersten Auszubildenden im JAW in Lensahn in einer überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahme aufgenommen, 1999 erhielten sie als erste Prüflinge ihren Gesellenbrief.

Strukturveränderung ab Dezember 2003

Im Dezember 2003 entschied das OLG Düsseldorf, dass öffentliche Einrichtungen wie die Jugendaufbauwerke in Ostholstein von öffentlichen Ausschreibungen aufgrund der möglichen Wettbewerbsvorteile auszuschließen sind. Damit waren die JAWs Ostholstein in ihrer Existenz bedroht.

15.03.2006 - die JobB GmbH wird neuer Träger des JAWs in Ostholstein

Wegen der geänderten rechtlichen Rahmenbedingung hat der Kreis Ostholstein das Jugendaufbauwerk zum 15.03.2006 zusammen mit der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in eine andere Rechtsform geführt. Die Trägerschaft wurde auf die JobB GmbH, eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Wirtschaftsakademie, übertragen. Zu diesem Zeitpunkt wurden bis zu 300 Jugendliche von mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut.

Aktuell werden circa 450 Jugendliche und Erwachsene in festen Maßnahmen und weitere in offenen Projekten wie „Ausbildungsbetreuung“ oder „Kompetenzagentur“ berufliche begleitet, vorbereitet oder ausgebildet.